Sunday, March 15, 2026
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1929–2026: Jürgen Habermas ist tot

Seine Hauptwerke entstanden in Frankfurt am Main, wo seine Karriere in den 1950er Jahren am Institut für Sozialforschung bei Theodor W. Adorno begann. 1961 wurde er in Marburg mit dem Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ habilitiert.

Bekannt conflict er auch als streitbarer Intellektueller, der sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder in politische Debatten einschaltete. „Öffentliches Engagement“ sei „die wichtigere Aufgabe der Philosophie“, stellte Habermas einmal klar.

„Wann immer es um den Zustand nationaler Befindlichkeiten oder um die Gegenwart und Zukunft Europas schlecht bestellt schien, durfte man mit seiner öffentlichkeitswirksamen Wortmeldung rechnen“, so der Autor Roman Yos, der einen Gesprächsband mit Habermas herausgab.

Wichtige Position im Historikerstreit

1986 löste Habermas den „Historikerstreit“ mit aus. Er verteidigte damals die historische Singularität des Holocaust gegen Relativierungsversuche rechtskonservativer Historiker.

Nach wenigen Jahren an der Universität Heidelberg übernahm er 1964 Max Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung wurde 1968 das Buch „Erkenntnis und Interesse“ (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas als Unterstützer wahrgenommen, lehnte die Radikalisierung der Bewegung jedoch ab.

Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas


APA/AFP/Louisa Gouliamaki

Habermas 2013 in Athen

Habermas meldete sich immer wieder zu Wort

1971 wechselte er nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt leitete. In seinem letzten Jahr veröffentlichte er sein Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“. 1983 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 erneut einen Lehrstuhl für Philosophie übernahm.

Dass der Name Habermas so vielen Menschen bekannt ist, liegt auch daran, dass es eigentlich zwei davon gibt: den Philosophen und den öffentlichen Intellektuellen, der sich immer wieder in tagesaktuelle Debatten einschaltete.

Europa als großes Anliegen

Neben zeitgeschichtlichen Ereignissen wie dem Kosovo-Krieg und der Migrationskrise 2015 conflict es immer wieder auch der Zustand Europas, der Habermas zu Kommentaren, Zwischenrufen oder Mahnungen anregte.

Mit Blick auf die Europäische Union kritisierte er wiederholt deren „politische Eliten“ und sprach sich für eine stärkere Einbeziehung der Bevölkerung in den europäischen Einigungsprozess aus. Zudem setzte er sich früh für eine europäische Verfassung ein und unterstrich die Notwendigkeit einer europäischen Öffentlichkeit.

Die von ihm als autoritär bis lähmend empfundene Nachkriegsgesellschaft ließ ihn früh von einem demokratischen Neuanfang träumen. „Für mich conflict Demokratie das Zauberwort“, sagte er mit Blick auf seine Studienzeit in einer 2014 beim Suhrkamp-Verlag erschienenen Biografie.

Deutscher Philosoph und Soziologe Habermas gestorben

Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 96 Jahren in Starnberg, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf die Familie mitteilte. Habermas galt als einer der bedeutendsten Denker der Gegenwart und als politischer Intellektueller par excellence.

Würdigungen aus der Politik

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzler Friedrich Merz (CDU) würdigten Habermas. „Mit Jürgen Habermas verlieren wir einen großen Aufklärer, der die Widersprüche der Moderne durchmessen hat“, schrieb Steinmeier am Samstag in einem Kondolenzschreiben an die Tochter und den Sohn des Verstorbenen. „Er hat uns das Ethos des demokratischen Diskurses gelehrt und die Emanzipation des Menschen als unaufgebbares Ziel begründet.“

Merz betonte, mit Habermas hätten Deutschland und Europa „einen der bedeutendsten Denker unserer Zeit verloren“. Seine „analytische Schärfe prägte weit über die Grenzen unseres Landes hinaus den demokratischen Diskurs“ und habe Orientierung in dieser unruhigen Zeit gegeben.

Leitfaden für die moderne Gesellschaft

In seinem Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“ (1981) entwarf Habermas eine Art Handlungsleitfaden für die moderne Gesellschaft. Seiner Theorie zufolge liegen die normsetzenden Grundlagen einer Gesellschaft in der Sprache: Als Verständigungsmittel ermögliche sie erst soziales Handeln.

In „Erkenntnis und Interesse“ (1968) stellte er heraus, dass es keine „objektive“ Erkenntnis gibt. Sowohl in der Wissenschaft als auch in Politik und Gesellschaft sei diese abhängig vom jeweiligen Interesse.

Noch mit 90 Jahren veröffentlichte er „Auch eine Geschichte der Philosophie“ – eine 1.750 Seiten lange Erörterung des Spannungsfeldes zwischen Glauben und Wissen.

Seit Jahrzehnten am Starnberger See gelebt

Geboren wurde Habermas am 18. Juni 1929 als Bürgersohn in Düsseldorf, er wuchs in Gummersbach auf. 1949 begann er knapp 20-jährig sein Philosophiestudium in Göttingen.

Seit Jahrzehnten lebte er am Starnberger See, auch wenn seine berufliche Tätigkeit vor allem mit Frankfurt am Main verbunden blieb. Habermas conflict seit 1955 mit Ute Habermas-Wesselhoeft verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Erhöhte Komplexität

Die Jahre in Frankfurt waren „die befriedigendste Zeit meines akademischen Lebens“, sagte er bei einem Vortrag an seiner alten Hochschule einen Tag nach seinem 90. Geburtstag. Habermas wurde wie ein Popstar gefeiert. 3.000 Menschen lauschten seinen Worten, vom Audimax wurde der Vortrag in fünf Säle übertragen.

Als ihn ein falscher Feueralarm unterbrach und das Gebäude geräumt wurde, brachte das den 90-Jährigen kein bisschen aus der Ruhe. Er bedankte sich „für die Erhöhung der Komplexität“ – und fuhr ungerührt fort.

Suhas
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Suhas Bhokare is a journalist covering News for https://onlinemaharashtra.com/
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